Ich habe lange überlegt, ob ich etwas zum Valentinstag schreiben soll. Lange habe ich so getan, als wäre dieser Tag unnötig und mir völlig egal. Aber wenn mein Mann ihn dann ignorierte, war ich doch irgendwie enttäuscht. Ein Teil von mir möchte an diesem albernen Feiertag trotzdem spüren, dass ich bedeutsam und wichtig bin. Mattering nennt die Psychologie dieses Bedürfnis.
Egal, wie du zum 14. Februar stehst: Das Gefühl, von anderen gesehen und geschätzt zu werden, ist ein psychologisches Grundbedürfnis. Und zwar im Alltag, in den kleinen Dingen – nicht nur am Valentins- oder Geburtstag. Sich bedeutsam zu fühlen, stärkt die Gesundheit und Resilienz.
Zum Glück ist es gar nicht schwer, deinen Lieben zu zeigen, dass sie wertvoll für dich sind. Was man dafür braucht, haben Psychologen erforscht – und genau das zeige ich in diesem Artikel.
Ob du das auf dich und deine inneren Anteile beziehst – oder gleich für deine liebsten umsetzt, darfst du dir selbst aussuchen 😇
Was ist Mattering? Wenn du spürst, dass du wirklich zählst
„Mattering“ lässt sich nicht perfekt ins Deutsche übersetzen. Am ehesten bedeutet es: Du bist mir wichtig. Du machst einen Unterschied in meinem Leben. Wenn es dich nicht gäbe, würde mir etwas fehlen. Du bist unersetzlich.
Entscheidend dabei: Es geht um Wertschätzung für dich als Person – nicht nur für das, was du leistest.
Du kannst in einem Team eine wichtige Rolle übernehmen und trotzdem das Gefühl haben, dass sich niemand wirklich für dich interessiert. Mattering geht tiefer als die Zufriedenheit mit deinen Ergebnissen. Es ist das Gefühl: Ich zähle, nicht nur meine Arbeit.
Der Begriff ‚Mattering‘ wurde erstmals in den 1980er Jahren von den Soziologen Morris Rosenberg und Claire McCullough geprägt. Sie erkannten, dass das Gefühl, für andere wichtig zu sein, ein fundamentales menschliches Bedürfnis ist – unabhängig von Alter, Kultur oder Lebensumständen.
4 Wege, Wertschätzung zu geben und zu empfangen
Vielleicht hast du das vage Gefühl, auf manchen Ebenen nicht wirklich als Person geschätzt zu werden und fragst dich, woran das eigentlich liegt.
Oder du möchtest sicher gehen, dass deine Lieblingsmenschen wirklich wissen, was sie dir bedeuten?
Journalistin Jennifer Breheny Wallace hat in ihrem neuen Buch Mattering vier Kern-Bereiche identifiziert, die dafür sorgen, dass wir Wertschätzung ausstrahlen und empfangen.
Sie ergeben die Abkürzung „SAID“, also gesagt. Das kann man sich gut merken: Hab ich es nur gedacht, oder auch wirklich gesagt?
S – Significant: Bedeutsam sein
Das Gefühl, wirklich wichtig zu sein – nicht nur in den großen Momenten, sondern gerade in den kleinen, alltäglichen Dingen des Lebens. Es geht darum, dass man sich gesehen und gekannt fühlt. Dass sich jemand daran erinnert, was dir gefällt. Oder ein paar Tage später nochmal nachfragt, wenn du etwas erzählt hast.
A – Appreciated: Wertgeschätzt werden
Wertschätzung heißt in diesem Zusammenhang, über ein bloßes „Danke“ für eine Tat hinauszugehen und den Menschen dahinter zu würdigen. Das stärkt den Kern dessen, wer jemand ist, und das Gefühl, dass man zählt.
Zum Beispiel könnte ich sagen: „Danke für das schöne Geburtstagsgeschenk!“
Aber damit sich die Person wirklich gesehen fühlt, kann ich hinzufügen: „Du bist immer so aufmerksam und hast dir meine Lieblingsfarbe gemerkt. Du hast einen tollen Blick für’s Detail. Diese Vase passt super zu meiner Einrichtung. Danke, dass du Geschenke immer so liebevoll aussuchst.“
I – Invested In: Jemand glaubt an dich
Es ist das Gefühl: Da ist jemand, der wirklich will, dass ich es schaffe. Menschen im Leben haben, denen dein Erfolg und deine Ziele wirklich am Herzen liegen. Die bereit sind, ihre Zeit, Ermutigung und Unterstützung in dich zu investieren. Und noch wichtiger: selbst dieser Mensch für andere zu sein – die „geschenkte Freude“ ihrer Erfolge zu erleben und zu wissen, dass du einen Anteil daran hattest.
D – Depended On: Gebraucht werden
beschreibt das Gefühl, dass andere einen brauchen. Zuzulassen, dass Menschen sich auf gesunde Weise auf dich verlassen und auch die Reibung in menschlichen Beziehungen willkommen zu heißen, schafft Sinn und Resilienz.
Diese vier Komponenten sorgen dafür, dass wir in Beziehungen eine tiefere, tragfähige Zufriedenheit erleben.

Übung: Der „Wenn es dich nicht gäbe“-Brief
Im Podcast „A slight change of Plans“ stellt Wallace eine Idee vor, die einfach aber wirkungsvoll ist. Du kannst sie für dich selbst oder für die wichtigen Menschen in deinem Leben nutzen.
Frage dich einfach: Wenn es diese Person nicht gäbe – was würde mir fehlen?
Das stärkt unseren wohlwollenden Blick. Dann schreibe einen kleinen Brief, ein paar Sätze genügen:
Liebe/r …,
wenn es dich nicht gäbe, dann … .
So einen Brief dauert nicht lange, kann aber jahrelang positiv wirken und die Beziehung und das Selbstwertgefühl nachhaltig stärken. Probier es doch morgen einfach mal aus.
Vielleicht für deine/n Partner/in – oder für eine Person, die sich vielleicht besonders am Valentinstag nicht gesehen oder einsam fühlt.
Du kannst so einen Brief natürlich auch an dich selbst schreiben. Was würde fehlen, wenn du nicht da wärst? Oder wie wäre es gleich mit einem kleinen Liebesbrief an dich selbst? 💌
Mattering ist nicht nur für uns und unsere Mitmenschen wichtig. Auch für unsere inneren Anteile ist es wichtig zu spüren, dass sie gesehen und wertgeschätzt werden. Das beruhigt unseren inneren Kritiker und stärkt unser Selbstvertrauen und innere Ruhe. Mehr zur Arbeit mit der inneren Familie findest du hier.
Warum Mattering so wirksam ist: Die Forschung dahinter
Die Forschung zeigt, dass das Gefühl von persönlicher Bedeutsamkeit eine Menge positiver Folgen hat – für die Gesundheit, den Selbstwert und sogar die ganze Gemeinschaft, in der ein Mensch lebt. Wer sich bedeutsam fühlt, lebt zufriedener, geht selbstbewusster durchs Leben und packt Dinge aktiver an – ob im Job, in Beziehungen oder in der Nachbarschaft. Mattering wirkt wie ein innerer Stabilisator: Stress und Krisen werden nicht kleiner, aber sie werfen uns nicht mehr so leicht aus der Bahn. Mit der Zeit formt sich daraus eine Identität, die trägt – auch wenn’s schwierig wird:
Eine umfassende Meta-Analyse mit über 24.000 Teilnehmern zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen Mattering und depressiven Symptomen (1). Menschen mit einem starken Gefühl von Mattering wiesen deutlich weniger Anzeichen von Depression auf (2).
Besonders bemerkenswert: Das Gegenteil von Mattering – das sogenannte „Anti-Mattering“, also das Gefühl, übersehen und bedeutungslos zu sein – zeigte in Studien mit Kindern und Jugendlichen einen noch stärkeren Zusammenhang mit psychischen Belastungen wie Depression, Angst und Stress (3).
Weitere Forschung belegt, dass Mattering eine Schutzfunktion gegen Erschöpfung und Burnout hat (4). Bei Jugendlichen ist ein starkes Gefühl von Mattering mit niedrigeren Raten von Depression und Suizidalität verbunden (5).
Für ältere Menschen ist das Gefühl, gebraucht zu werden und dass andere sich auf sie verlassen, besonders wichtig. Studien zeigen, dass ältere Erwachsene in Japan, die bis ins hohe Alter weiterarbeiten und sich gebraucht fühlen, eine bemerkenswerte Langlebigkeit aufweisen (6).
Das Schöne: Mattering lässt sich kultivieren. Wenn wir bewusst dafür sorgen, dass Menschen sich gesehen und gebraucht fühlen, stärken wir nicht nur Einzelne, sondern ganze Gemeinschaften. Gerade in unsicheren Zeiten, in denen vieles wackelt, ist dieses Gefühl von „Ich zähle, ich bin wichtig“ ein Anker – für jeden von uns und für das Miteinander.

Mattering im Alltag: Kleine Gesten, große Wirkung
Wertschätzung beginnt mit einer kleinen Geste und kann viel bewirken. Wenn du einfach anfängst, wirst du erstaunt sein, wie wichtig du für andere durch diese kleinen Dinge sein kannst. Und vergiss nicht: Das gilt auch für dich selbst. Auch deine inneren Anteile dürfen spüren, dass sie zählen.
Welcher der vier SAID-Bereiche fällt dir am leichtesten? Und welcher ist für dich die größte Herausforderung? Schreib es mir gerne in die Kommentare – ich bin gespannt!
Quellen & Vertiefung
Tonini, B., Bocci Benucci, S., Flett, G., Fioravanti, G., & Casale, S. (2025). General Mattering, Anti-mattering, and Depressive Symptoms: A Meta-Analysis. Clinical Psychology Review, 120, 102626.
Liu et al. (2025). Psychometric analyses of the general mattering scale, anti-mattering scale, and the fear of not mattering inventory in Chinese youth. Scientific Reports. https://doi.org/10.1057/s41599-025-05632-y
Dixon, S. K., Scheidegger, A. M., & McWhirter, J. J. (2009). The Adolescent Mattering Experience: Gender Variations in Perceived Mattering, Anxiety, and Depression. Journal of Counseling & Development, 87(3). https://doi.org/10.1002/j.1556-6678.2009.tb00111.x
Flett, G. L., et al. (2020). Aging and Feeling Valued Versus Expendable During the COVID-19 Pandemic and Beyond: Why Mattering Is Fundamental to the Health and Well-Being of Older Adults. International Journal of Mental Health and Addiction. https://doi.org/10.1007/s11469-020-00339-4
Weiterlesen:
- Isaac & Ora Prilleltensky. How People Matter: Why it Affects, Health, Happiness, Love, Work and Society. Cambridge University Press, 2021.
- Jeniffer Breheny Wallace. Mattering. The Secret to a Life of Deep Connection and Purpose. Penguin Random House, 2026.
- Jeniffer Breheny Wallace ist aktuell in zahlreichen Podcast zu Gast und spricht über die Hintergründe und bewegende Beispiele aus dem echten Leben rund um Mattering. Es lohnt sich, ihren Namen einfach in deinen Lieblings-Podcast-Player einzugeben.
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Hallo Maren,
spannender Blogartikel, vielen Dank. Ich beschäftige mich gerade intensiv mit diesem Thema im Kontext Veränderung im Arbeitsalltag, daher war der Buch-Tipp Mattering perfekt.
Viele Grüße Namenskollegin maren
Liebe Namenskollegin Maren :),
das freut mich sehr! Dann wünsche ich dir, dass du auch aus dem Buch noch ein paar spannende Impulse mitnehmen kannst!
Herzlich, Maren