Letzte Woche lag ich mit einer Mittelohrentzündung flach – und habe dabei etwas über Langsamkeit und ein tieferes Vertrauen auf unseren Körper gelernt, das ich mit dir teilen möchte.
„Oha! Massive Mittelohrentzündung“ verkündete mein Arzt nach einem kurzen Blick in mein rechtes Ohr. Am Ende eines ohnehin schon heftigen Infekts fühlte sich mein Trommelfell an, als würde es jeden Moment platzen.
Aber noch viel beängstigender als die stechenden Schmerzen: Ich konnte kaum noch etwas hören.
Das Gefühl, einen Sinn zu verlieren, auf den ich mich im Alltag so selbstverständlich verlasse, war gelinde gesagt beängstigend. Es war nichts zu machen: Ich musste die Notbremse ziehen und mich komplett auskurieren.
Vom Kopf her weiß ich, dass der Körper einfach seine Zeit braucht, um sich zu erholen. Trotzdem fiel es mir schwer, mich auf das Tempo einzulassen, ohne zu wissen, wie lange es dauern wird.
Jeden Morgen wachte ich auf und prüfte als erstes, was ich hören kann. An Tagen ohne Fortschritt fühlte ich eine Mischung aus Frustration, Ungeduld und Angst, dass dieser Zustand jetzt so bleiben könnte. An Tagen mit Besserung war die Erleichterung groß.
Und auch jetzt, wo der akute Infekt vorbei ist, spüre ich, dass die letzten Prozente des Hörvermögens und meine allgemeine Energie langsamer zurück kommt, als mir lieb ist.
Neben dem, was meine Mastermind-Kolleginnen gerade in ihrem Business auf die Beine stellen, fühle ich mich wie eine Schildkröte. Vielleicht geht es dir auch so, dass du dich gerade nicht ganz fit und irgendwie „schildkrötig“ fühlst. Dass du nicht genau weißt, wann deine Energie wieder voll da ist.
Dann teile ich heute mit dir, was mir gut tut und wie ich mich selbst durch diese Zeit unterstütze. Für sich genommen sehen diese Dinge nicht nach viel aus, aber zusammen helfen sie sehr.
Was mir jetzt hilft
- Annehmen statt dagegen zu kämpfen. Früher habe ich es als Zeichen von Stärke gesehen, die Zeichen meines Körpers so lange es geht zu ignorieren, wenn sie mich um eine Pause bittet. Ich wollte nicht zeigen, wie sensibel mein Körper manchmal reagiert. Inzwischen höre ich früher hin. Gegen mich selbst anzukämpfen, kostet mich nur noch mehr Kraft. Also habe ich mir erlaubt, mich wirklich auszukurieren. Keine Arbeit, auch nicht in Gedanken.
- Das innere Publikum wählen. Kennst du das, wenn du innerlich unentschlossen bist – und dein Kopf anfängt, mit imaginären Gesprächspartnern zu diskutieren? Klient*innen, die enttäuscht sein können, dein*e Partner*in, dein*e Ärzt*in? Wir haben nicht nur eigene innere Stimmen in uns, sondern oft auch eine Art inneres Publikum, vor dem wir uns zeigen, uns erklären oder uns rechtfertigen. Wenn du spürst, dass dieses innere Publikum, die inneren Gesprächspartner dich unter Druck setzen, versuch mal, die Bühne zu wechseln. Was würde dein*e verständnisvollste Kund*in sagen? Dein*e Partner*in an ihrem besten Tag? Deine netteste Kolleg*in?
- Mehr Unterstützung annehmen. Wenn ich mit Fieber im Bett liege, ist es für mich nicht schwer, Hilfe anzunehmen. Aber in der Grauzone davor und danach – wenn es vielleicht irgendwie gehen könnte – fällt es mir oft schwer, meine Grenzen nicht zu überschreiten.
Dieses Mal hatte ich Glück und viel Unterstützung. In den Zeugnisferien sind die Kinder mit meinem Mann ein paar Tage zu den Großeltern gefahren. Ich hatte mich schon vor Wochen für einen Breathwork-Onlinekurs angemeldet, der mir täglich hilft, zur Ruhe zu kommen, mich positiv auszurichten und mein Nervensystem zu stärken. Meine Klient*innen waren ausnahmslos verständnisvoll, wofür ich enorm dankbar bin. All das hat dazu beigetragen, dass ich mich wirklich erholen konnte. - Nervensystem beruhigen. Unser Körper reagiert stark auf den Stress, den wir uns gedanklich machen. Unser Nervensystem bestimmt, ob wir unsere Energiereserven auffüllen oder unseren inneren Tank noch weiter leeren. Für mich sind es 20 Minuten bewusstes, ruhiges Atmen, die einen spürbaren Unterschied machen. Ich merke, wie alles in mir wieder in dem Vertrauen ankommt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auch wenn es langsam geht. Und wie dieses Grundvertrauen zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird:
Weil mein Nervensystem aus der Anspannung heraus kommt.
Und rein in den Modus, in dem unser Körper wie von selbst weiß, was er braucht. In dem unsere Selbstheilungskräfte aktiviert werden, unser Geist klar wird und wir auf gute Gedanken kommen. So fühlt sich die Pause nicht mehr wie ein aufgezwungenes Ärgernis an – sondern wie eine Chance, mich gut um mich zu kümmern und liebevoll mit mir zu sein. - In Spiralen denken, statt in graden Linien. Wenn wir uns das Leben vorstellen, wie eine Linie, auf der wir immer weiter vorwärts gehen sollten, werfen uns Zeiten aus der Bahn, in denen wir langsamer werden oder sogar Rückzug brauchen. Aber das Leben ist nicht linear. In der Natur ist es kein Rückschritt, wenn auf den Tag die Nacht folgt. Wenn jedes Jahr wieder ein Winter kommt. Unser Körper ist ein Stück Natur.
Was ändert sich, wenn wir unser Leben als wachsende Spirale betrachten? Wenn wir davon ausgehen, dass es bergauf und vorwärts geht, auch wenn wir die Richtung wechseln? Dass zum gesunden Wachstum Phasen der Ruhe und des Rückzugs genauso dazu gehören wie Phasen von Aktivität, Geselligkeit und kreativem Flow?
Egal, ob du dich gerade von einer Krankheit erholst, einfach noch im Winter-Modus bist oder deine Neujahres-Euphorie sich langsam in Alltag-Aufrecht-Erhalten Energie verwandelt, kannst du diese Schritte für dich anwenden. Annehmen, was dein Körper versucht dir zu sagen. Das innere Publikum liebevoll auswählen. Um Hilfe und Unterstützung bitten, auch wenn du es vielleicht auch grade so alleine geschafft hättest. Bewusste Momente erschaffen, in denen dein Nervensystem zur Ruhe kommt. Pausen und Ruhezeiten als natürliche Phasen anzusehen, aus denen neue Kraft entsteht, anstatt als Rückschritt oder Schwäche.
So kommst du schneller zurück in eine Energie, die dich wirklich trägt: Die dein Immunsystem stärkt, deine Batterien auflädt und kreative Gedanken aufblitzen lässt.
Dann fühlst du dich vielleicht immer noch wie eine Schildkröte – aber eine, die von den Wellen des Lebens vorwärts getragen wird, ohne ständig paddeln zu müssen.
Heute schließe ich mal wieder mit Worten meiner Lieblings-Poetin Andrea Gibson:
I decided I was
too soft to last.
But then I decided
to be even softer.
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