Zum Inhalt springen
Startseite » Blog » Der Unterschied zwischen Intuitiv und Impulsiv

Der Unterschied zwischen Intuitiv und Impulsiv

Manchmal weißt du es einfach, ohne dass du es erklären kannst. Da ist dieser Impuls: Mach das, das ist genau das Richtige!

Oder: Vorsicht, da stimmt was nicht. 

Für einen Moment ist er ganz klar und deutlich.

Und dann funken andere Stimmen dazwischen:
„Bist du dir wirklich sicher?“

„Wie willst du das erklären? Das ist doch total irrational.“

„Überleg es dir besser nochmal!“

Und je mehr du nachdenkst, innerlich rechtfertigst, nach Gründen suchst und mit anderen darüber sprichst, desto mehr verschwindet diese Klarheit vom Anfang.

Kennst du das?

„Ich habe gelernt, mir selbst nicht zu trauen“

Ich arbeite oft mit sensiblen Frauen und ich höre immer wieder die gleiche Erfahrung – eine, die ich oft genug selbst gemacht habe: Manchmal weiß ich es einfach. 

Aber es fällt mir schwer, diesem Impuls zu vertrauen. Ich werde unsicher, weil ich oft genug erlebt habe, dass man mir nicht glaubt. Ich habe verinnerlicht, wie schmerzhaft es ist, wenn diese sensiblen Wahrnehmungen abgelehnt werden. Oder noch schlimmer: wenn ich dafür bloßgestellt werde. „Du schon wieder mit deinen Gefühlen.“ „Unser kleines Mimöschen braucht mal wieder eine Extrawurst“

Bevor ich also etwas laut sage, gehe ich es in meinem Kopf durch. Stelle mir selbst all die kritischen Fragen. Der Versuch, meine Argumente wasserdicht zu machen, führt oft dazu, dass ich mir selbst zensiere. Ich übergehe dieses intuitive Wissen und tue das, was andere von mir erwarten.

Und oft genug habe ich das hinterher bereut. Mir vorgenommen, meine Intuition endlich ernst zu nehmen.

Das steckt hinter dem ersten Moment der Klarheit

In der Ausbildung zur Psychotherapeutin gab es einen Moment, den ich nie vergessen werde.

In der Supervision stellte eine Kollegin einen Fall vor, bei dem sie nicht weiter wusste. 

Der Supervisor forderte sie auf, uns nichts darüber zu sagen. Keine Informationen. Meine Kollegin spielte uns (anonym) einen Mitschnitt aus einem Gespräch ab. Dann fragte der Supervisor: Was haben Sie hier gehört, das nicht gesagt wurde?
Nach und nach gehen Hände hoch. Schweigend sammelt der Supervisor alles an der Tafel.

Dann wendet er sich an meine Kollegin: Können Sie etwas damit anfangen?

Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Ihre Antwort: Unfassbar. Das stimmt eigentlich alles. Einiges davon war auch schon Thema. Aber es hier nochmal so klar zu sehen, macht mir bewusst, worum es wirklich geht. Ihr habt den Nagel auf den Kopf getroffen.

Dann erklärt der Supervisor eine Theorie aus der Gestalt-Therapie: Am Anfang der Therapie gibt es einen Moment, da sehen wir die Gestalt (das, worum es wirklich geht) ganz klar. Dann verschwindet er wieder, wird unklarer – bis wir am Ende plötzlich wieder den roten Faden sehen können, der sich die ganze Zeit durchgezogen hat.


Als wir die Klientin noch nicht kannten, haben einen Moment lang die ganze Gestalt gesehen – und konnten sie meiner Kollegin widerspiegeln.

Wir dürfen unserem inneren Wissen Autorität geben.

Ähnlich beschreibt es Neurowissenschaftlerin Dr. Lisa Miller von der Columbia University:

Wir haben Teile in unserem Gehirn, die wie eine Antenne funktionieren. Wir nehmen unbewusst ganz klar wahr, was los ist. Doch wir haben nie gelernt, dem wirklich zu vertrauen oder es auch nur in Worte zu fassen.

Sie kommt zu dem Schluss: We need to authorize our knowing: Wir dürfen unserem inneren Wissen Autorität geben.

(Mehr darüber erklärt sie u.a. in diesem Podcast mit Martha Beck)

Der Unterschied zwischen Intuitiv und Impulsiv

Dieses intuitive Wissen ist keine Impulsivität. Es ist kein „Übers-Knie-brechen“. Einen hastigen Abwehrreflex oder eine Überreaktion erkennst du daran, dass er meistens mit starken Emotionen einher geht – und du hinterher schnell merkst, dass du tatsächlich überreagiert hast.

Das implizite, intuitive Wissen ist anders. Leiser. Es ist ein Kribbeln, Vorfreude gemischt mit einem tiefen Gefühl von Frieden. Dem Wissen: Das ist wichtig, auch wenn es nicht leicht wird.
Ein inneres Anklopfen, das mich nicht loslässt.

Wenn wir impulsiv handeln, haben wir oft das Gefühl „nicht ganz wir selbst“ zu sein.

Intuitives Wissen fühlt sich stattdessen an, als ob dein Wahres Selbst anklopft und dich auffordert, MEHR du selbst zu sein.

Intuition ist nicht „nur ein Gefühl“. Es ist das vernetzte, unbewusste Wissen, dass unser Nervensystem über unser ganzes Leben – und über tausende von Generationen vor uns – gesammelt und gespeichert hat. Es fordert dich nicht auf, zu ignorieren, was du weißt. Sondern Intuition und Verstand gemeinsam zu nutzen.

Was wenn du diesem Wissen Raum gibst? Wenn du zu ihm sagst: „Ich glaube dir.“ Ohne Erklärung, ohne Rechtfertigung.

Martha Beck fasst es so zusammen: Die Essenz von Coaching ist es, meinen Klienten tief in die Augen zu schauen und immer wieder zu sagen: Du weißt es schon. Hör hin. Du weißt es schon.

Was würde sich verändern, wenn du genau das hin und wieder mit deiner intuitiven inneren Stimme tust?

Dieser Artikel erschien zuerst in meinem Newsletter.
Jeden Freitag verschicke ich liebevolle Reminder  für ein natürliches Selbstvertrauen im Alltag.
Möchtest du sie bekommen? Dann trage dich hier ein:

Das könnte dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert